Bekannte Gewässer und neue Pläne

Angekommen in Göteborg. Und irgendwas ist anders als sonst. Denn das erste Mal seit Bornholm habe ich wieder bekannte Gewässer unter mir. An der westschwedischen Küste war ich bereits 2012 einmal. Und nach 5 Monaten durch komplett neues Terrain ist das wirklich komisch. Fast so, als ob die Reise bereits vorbei wäre. Auch der Rundgang durch die Stadt ist anders. Alles ist noch irgendwo vertraut, und selbst meine Fotoleidenschaft ist auf einmal dahin. „Kenn ich ja schon“. Trotzdem verbringe ich einige nette Tage in Göteborg. Habs ja extra so getimt, dass ich am Wochenende hier bin, und so darf Göteborg seinem Namen als Partyhauptstadt Schwedens alle Ehre machen. Und doch, der Gedanke nach Verlassen der Göteborger Schären links abzubiegen und es nur noch 60NM bis nach Anholt, Dänemark zu haben, ist irgendwie verschreckend. Ich verbringe also den  Sonntagnachmittag damit, neue Pläne zu schmieden. Auch hier ist es bereits leer geworden. Im Stadthafen Lilla Bommen muss man zur Hochsaison normalerweise regelrecht um die Plätze kämpfen. Jetzt geht es eher gemäßigt zu (Siehe Bilder). Als ich nach einigen Tagen ablegte, sollen nur noch 3 Schiffe im Hafen sein…

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Mittlerweile ist Jøran auch eingetroffen, und so halte ich die Seekarten unter die Nase, die seit 2 Jahren ungenutzt bei mir an Bord rumflattern. Der Oslofjord. Damals habe ich es nämlich zeitlich nicht bis dort geschafft. Eine perfekte Gelegenheit also, um das nachzuholen. Denn mittlerweile ist auch der Sommer wieder zurück. Nur mit kurzer Hose und Shirt sitzen wir bei ihm im Cockpit und ich hole mir ein paar Insidertips ab.

Und so geht es dann frühmorgens los. Allerdings biege ich eben rechts ab. Auf zu neuen Ufern. Vorher geht es aber noch ein wenig durch die Bereiche der Westschären die ich schon kenne. Aber mit neuen Plänen im Gepäck sind diese komischen Endzeitgefühle gleich weg. Ich freue mich, denn es gefällt mir wirklich sehr hier. Und wenn ich selbst an legendären Orten wie Marstrand mit einem lockeren „Kenn ich schon“ vorbeifahren kann, dann weiss ich, dass es mir an tollen Erfahrungen hier wirklich nicht mangelt. Ein zweiter Besuch wäre sicherlich auch nett gewesen, aber in einem Revier in dem man ein ganzes Leben verbringen kann ohne alles zu sehen, will ich mir lieber was neues anschauen.

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Der Sommer ist vollends zurück. Es ist Anfang September, es weht eine leichte Raumschotsbrise, der Himmel ist fast wolkenfrei und es hat 21 Grad. Was kann man eigentlich mehr wollen? Auch fällt mir auf, dass hier wieder ein kleines bisschen Betrieb ist. Keineswegs wie in der Hochsaison, aber die Zahl der Schiffe die ich den Tag über sehe ist seit langem mal wieder deutlich zweistellig. Ich genieße es unheimlich wieder auf dem Meer zu sein. Ich habe es während der zurückliegenden Wochen gar nicht bemerkt, aber der Geruch von salziger Meerluft und das Schreien der Möwen haben mir irgendwie gefehlt. Und auch im brackigen Wasser des bottnischen Meerbusens war es damit nicht weit her. Gibt es Möwen eigentlich auch am Süßwasser? Blöde Frage vielleicht, aber ich habe das Gefühl als hätte ich monatelang keine mehr gehört. Vielleicht hat das Binnensegeln mir auch einfach den Verstand vernebelt. 😉

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Die Stereoanlage schreit, ich freue mich, wieder segeln zu können und komme wieder mal (nach meinem Geschmack) viel zu früh in Käringön an. Während der Hochsaison ein absoluter Hotspot in Westschweden. Mit Gentleman-Benehmen ist hier kaum ein Liegeplatz zu bekommen. Heute liegen gerade mal schon 3 andere Schiffe hier. Es ist Längsseitssaison, die Heckbojen braucht niemand mehr, denn es ist ja auch so genug Platz. Vor mir liegen Iren! Das erste mal sehe ich welche diese Saison! Man muss dazu sagen, dass denen meine Sympathien seit einem Auslandsaufenthalt dort ganz besonders gelten. Die beiden springen auch sofort zum Leinen annehmen auf. Offenbar habe ich meinen Akzent noch nicht komplett verloren, denn nach einem schrägen Blick und der Frage „U´r oirish?“ (Nur echt in dieser Betonung) haben wir gleich unendlich viele Gesprächsthemen. Und die irische Bierkultur, die immer noch in ihrer Bilge schlummert, ist natürlich auch nicht zu verachten…

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Käringön ist ein alter Fischerort. Auch heute lebt hier die Fischertradition noch fort. Die Tourismusbetriebe haben eh schon geschlossen.  Auch ein Hafenmeister lässt sich die ganze Zeit über nicht blicken. Nur einige Einheimische sind noch unterwegs. Und die Möwen. Ich verbringe den Abend nach meinem Ortskontrollrundgang eigentlich nur damit am Fischerbecken zu sitzen und ihnen zuzuhören. Es ist einfach zu schön wieder hier zu sein.

Andrew lädt mich zum Frühstück ein, und fragt ob wir nicht zusammen eine Ankerbucht ansteuern wollen, die er bereits in früheren Jahren entdeckt hat. Nun, auch wenn ich eigentlich ja weiter nach Oslo wollte, schlage ich natürlich ein, denn in Irland ist eine solche Ansage mehr Befehl als Einladung. 😉 Also folgt ein kurzer Tag mit nur wenigen Meilen. Aber wenigstens komplett unter Segeln. Wir haben es ja nicht eilig. Und wenn ich komplett sage, dann meine ich das auch. Vom Ablegen bis zum längsseits Festmachen bei Andrew vor Anker. So wurde der sportliche Ehrgeiz an diesem sonst faulen Tag doch noch gestillt. Überhaupt merke ich erst jetzt, wie schön die westschwedische Küste eigentlich ist. Die kargen, rund geschliffenen Schären strahlen eine ganz andere Faszination aus als das Gebiet der Kernostsee. Vor 2 Jahren habe ich das irgendwie gar nicht so wahrgenommen. Vielleicht liegt es aber auch an den Vergleichsmöglichkeiten die ich in den letzten Meilen einfach pausenlos hatte. Schon komisch, liegen die westschwedischen Schären meinem Sommerrevier Kieler Bucht doch von allen bisher besuchten Gegenden am nächsten… Vielleicht muss man einfach reisen, um das Nahe wertschätzen zu können. Mal sehen wie mir Schlei und Elbemündung nach Ankunft so vorkommen. 😉 Über das Thema Ankunft will ich jetzt aber gar nicht lange weiter nachdenken. 😉 Es geht weiter Richtung Oslo!

 

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