Der Bottnische Meerbusen ist zu Ende – Öregrund

Den letzten Ankerplatz der Höga Kusten verliess ich unter Segeln. Spätestens ab Sundsvall hat das flache Küstenband an Steuerbord wieder mit der Berglandschaft getauscht. Der morgendliche Aktionismus wird allerdings schon nach wenigern Meilen ausgebremst. Selbst der Gennaker hängt nur noch schlaff herunter. Den herannahenden 220m Bulker auf dem Weg nach Sundsvall bremst das das leider im Gegensatz zu mir nicht aus.

Also Tüte runter, Motor an und das Weite gesucht. Leider sollte das dann auch das Programm für den Rest des Tages werden. Wenigstens gibt es dazu wieder Sonnenschein zuhauf. Lesezeit, Sonnen an Deck, es geht Südwärts. Schon komisch, seit der Höga Kusten habe ich endlich eine gewisse Entspannung gefunden. Die Wettereskapaden stören mich kaum mehr, ich finde mich damit ab. Oder mag das am Ende doch am ewigen Sonnenschein liegen? So vergeht der Tag, doch kurz bevor der eigentlich angepeilte Hafen in Sicht kommt, kommt auf einmal Wind auf. Also geht es weiter. Der Himmel glüht,  eine leichte Südwestbrise trägt die Nonsuch gen Süden, und ich löffel an meiner Astronautentüte für Nachtfahrten. Zum Kochen war ich trotz glatter See irgendwie zu faul. Diese Dinger sind sowieso genial. Eigentlich mehr eine bessere 5 Minuten Terrine laufen sie derselbigen sowie jeder Dose geschmacklich den Rang mehr als ab. Schmeckt richtig gut.

Segeln bei schönstem Sommerwetter.

Die Nacht wird angenehm. es wird nicht kälter als 19 Grad, und selbst hier, nur 100sm Luftlinie von Stockholm entfernt sieht man immer noch kaum Yachten unterwegs. Das macht das Revier bottnischer Meerbusen auch so besonders. Man hat zwar, falls gewünscht, meistens alle nötigen Einrichtungen zur Hand, es ist aber trotzdem selbst in der Hochsaison leer. Meistens hat man die Landschaft sogar komplett für sich allein.

Morgens ist der Wind dann wieder weg. Spiegelglatt ölige See begleitet mich den restlichen Weg bis nach Öregrund hinein.  Die Sonne brät wieder schon früh morgens mit 28 Grad vom Himmel. Öregrund selbst ist ein kleines Nest, welches im Sommer seine Einwohnerzahl von schwedischen Touristen mehr als verdoppelt. Die Ortserkundung hebe ich mir aber für den Nachmittag auf, wenn es etwas abkühlt… Nachmittags trifft auch die Palve zufälligerweise noch ein. Wir haben uns ja schon seit Turku immer mal wieder getroffen. Jetzt am Ende des bottnischen Meerbusens  habe ich es also doch noch geschafft die Hallberg Rassy 42 zu überholen, hehe. 😉 Im Ort selbst ist wirklich Leben, viele Restaurants und Bars reihen sich am Hafen entlang. Den Abschluss des bottnischen Meerbusens begieße ich dann noch mit einigen dort kennengelernten schwedischen Jungseglern. Und mit einem auf den anderen Tag wird es auf einmal wieder wirklich dunkel in der Nacht. Öregrund ist für mich also auch die Grenze der weißen Nächte. Schade eigentlich, aber endlich kann man mal wieder ne Nacht wirklich durchschlafen .;-)Auch am nächsten Tag drückt die Luft immer noch. Seit einer Woche geht das jetzt schon fast so. Segler sind wohl auch die einzigen Menschen, die sich bei 30 Grad im Schatten überhaupt beschweren können, geht das doch häufig mit Null Wind einher. Aber egal, ich wundere mich schon fast selbst über meine Entspannung. Einen ganzen Tag schreiben, schön im Schatten lesen, das WLAN ausgenutzt und abends ne Pizza im Hafenrestaurant. Das Leben könnte schlechter sein.

Schwedisches Sommerleben am Hafen.

Öregrund ist nicht mehr weit von Stockholm und von hier aus werde ich auf die Åland Inseln rüberfahren. Nebenbei bin ich nach ca. einem Monat auch wieder auf der gleichen geographischen Breite wie Turku angekommen. Das Abenteuer bottnischer Meerbusen ist damit beendet. In diese Zeit fielen mit Haparanda und Töre zwei absolute Höhepunkte dieses Törns. Ich habe über wochenlangen Nordwind gestänkert, einzigartige lange Nachtfahrten gemacht und die Höga Kusten für mich entdeckt. Und dabei immer diese Einsamkeit. Die Häfen sind zwar meistens belebt, aber auf See sieht man ausserhalb der Hotspots so gut wie nie jemanden. Was mich im Frühjahr manchmal noch gestört hat, gehört hier zum Revier einfach dazu und macht den Reiz eigentlich erst aus. Öregrund ist auch in sofern eine Grenze, denn auf einen Schlag bin ich mitten in der Hochsaison angekommen.

 

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