Frisches Wasser, ein neuer Rekord, und kein WLAN

Und weiter gehts. Henriks und meine Wege trennen sich in Köpmannebro. Für ihn gehts schon weiter Richtung Süden, doch ich möchte mir noch ein wenig den Vänern geben. Also gehts bei strammem Wind von hinten nach Norden. Es bläst mir guten 20kn. Schnelles Vorankommen ist also garantiert. Und auch der Vänern zeigt dabei mal Zähne. Es steht eine wirklich ekelhafte Welle, auch wenn ich mir gar nicht so wirklich erklären kann wieso. Das Wasser ist weitgehend tief und durch die gigantischen Ausmaße des Sees müsste das Ganze bei fast 40sm Windanlaufstrecke auch deutlich langwelliger aussehen. Aber sei´s drum, der ganze Kram kommt ja zum Glück nicht von vorn.

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Ich befinde mich mitten in Schweden. Es ist Ende August. Und es ist absolut keine Sau unterwegs. Den ganzen Tag treffe ich, von Henrik mal abgesehen, kein einzigen anderen Segler. Im Bottnischen Meerbusen habe ich damit ja noch gerechnet, aber hier? Naja, stört mich nicht, macht das Einhandsegeln etwas weniger anstrengend. Am Nachmittag komme ich dann in Åmal, einer schwedischen Kleinstadt, an. Auch hier ist nicht wirklich was los. Aber die Gebäude um den Hafen herum sind ganz nett. Von der Anordnung fühle ich mich ein wenig an so eine klassische Wildweststadt erinnert. Vielleicht auch eher vom Menschenaufkommen her… Später sehe ich dann doch noch ein Boot. Jøran, der Norweger den ich schon in Forsvik im Kanal getroffen habe, kommt mit seiner Frau an. Auch er hat sich ja an Rund Ostsee versucht, es gibt also genug Gesprächsstoff für einen zweiten Abend. Unter anderem lerne ich, dass Åmal in ganz Schweden als Sinnbild für eine verschlafene Kleinstadt gilt. Es gab da mal einen Film namens „F….ing Åmal“… Das erklärt so einiges… Da hier aber nix los ist, ist die Stadt auch perfekt für einen Hafentag zum Entspannen geeignet bevor es weiter geht…

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Heute ist der Wind dann mal wieder schwachbrüstig unterwegs. Irgendwann dann sogar ganz weg. Dafür hat er 22 Grad und den Sommer da gelassen. Ha! Hab doch gesagt, dass der Sommer auch in Schweden noch nicht vorbei ist. Kurze Hose raus, Motor an, und langsam gen Süden getuckert. Und weil motoren ja langweilig ist, kommt man dabei auf dumme Ideen. Der Vänern ist doch ein Süßwassersee und Trinkwasserreservoir. Warum also nicht einfach mal…. Volltreffer! Ich zapfe mir eine schöne Flasche kaltes Quellwasser…oder so ähnlich. Bevor mir noch mehr Flausen einfallen gehts aber in den nächsten Hafen. Mal wieder einer von der guten Sorte. Dalbergså liegt kurz hinter der Mündung eines kleinen Flusses in den Vänern. Man liegt an einem Steg neben einem Wald und einigen Häusern. Die Enten ziehen über das Wasser, die Sonne brennt, hier ist die Welt noch in Ordnung. Außerdem sind Jøran (+Anhang) und ich hier völlig allein. Ich schwinge mal den Kochlöffel für alle und wir genießen die Ruhe an diesem Platz. Ob es hier in der Hochsaison wohl genau so idyllisch ist? Egal, denn für uns zählt nur dieser Moment. Dalbergså ist landschaftlich völlig untypisch für Schweden.Vielleicht macht das diesen Ort nach Monaten voller Felsen und Nadelwäldern auch so außergewöhnlich. Mit der Flußmündung, dem Laubwald, den Hügeln am Horizont. Vielleicht fällt es deswegen auch so auf. Und damit stellt der Hafen einen neuen Rekord auf. Innerhalb von 5 Tagen bin ich jetzt zum 3. Mal der Meinung, dass das nun aber wirklich der schönste Platz bisher sein muss. Der Gedanke so schnell wie möglich wieder hier her zu fahren verfestigt sich bei mir. Monate des Seesegelns und dann vergucke ich mich ausgerechnet in einen Binnensee! Also wirklich mal…

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So kann das nicht weitergehen. Also weiter Richtung Trollhättan-Kanal. Ich lande in Vänersborg, ganz in der Südwest Ecke des Vänern. Die Stadt scheint sehr industriell geprägt. Perfekt als  Gegenprogramm zur Idylle geeignet. Vor dem Hafen warten aber die ersten beiden Brücken des Kanals auf mich. Unter der ersten passe ich noch durch, aber bei der zweiten muss ich dann doch mal das Funkgerät bemühen. Nur antwortet leider keiner. Als dann ein Schwede auf der anderen Seite der Brücke ebenfalls warten muss und auf schwedisch fragt, bekommt er sofort eine Antwort. Der Teufel ist ein Eichhörnchen….

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Vänersborg ist nicht mal hässlich. Die Stadt macht einfach einen so unspektakulären Eindruck, dass ich mich gar nicht lange dort aufhalte, sondern lieber an Bord gammel. Und dann habe ich noch so ein Erlebnis der dritten Art. So dämlich, dass es schon fast wieder lustig ist. Der Hafen soll WLAN haben. Perfekt! Schließlich habe ich einen Blog zu führen. 😉 Also los und beim Hafenmeister der Code besorgt. „Kein Problem“ sagt er, aber das kostet extra. Das ist nun für mich wiederum kein Problem, schließlich sind die WLANS in Schweden sehr rar und ich muss ja mal wieder ein Video hochladen. Also für den Code gelöhnt und zurück aufs Schiff. Und, wie sollte es anders sein, das Netz funktioniert nicht. Also zurück zur Hafenbude gewackelt. Und da klärt mich der Kollege, der mir eben noch 50kr fürs Internet abgenommen hat, auf, „Ja, das Internet funktioniert schon seit mehreren Wochen nicht wirklich“. Ich bin so perplex, dass ich nicht mal daran denke mein Geld zurückzuverlangen. Als ich die Geschichte dann mit anderen Gastliegern teile, bekomme ich wenigstens ein Trostbier und wir alle aus dem Lachen nicht mehr raus. Das ganze hat mich irgendwie an folgende Szene aus dem „Little Britain“ Spin-off „Come fly with me“ erinnert: (englisch)

Und so geht der Vätern zu Ende. Ein ganz tolles Revier mit einzigartig schönen Häfen, frischem Wasser, keinem WLAN und einem neuen Fan.

 

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