Die Pommern – Kein Museum wie jedes Andere

„What can one do in this town? – Oh, we have a very nice maritime musuem!“ Danke, kenn ich schon…

So, oder so ähnlich, hat sich nicht nur eine Unterhaltung in den letzten Monaten abgespielt. Ich möchte ja niemandem zu nahe treten, aber ein Seefahrtsmuseum gibts gefühlt an jedem gebuddelten Becken mit mehr als 3 Häusern. Die ersten sind noch interessant, aber spätestens seit Litauen wiederholt sich das ganze. Umso erwähnenswerter ist es aber, dass es auch noch maritime Gedenkstätten gibt, die wirklich fesseln und begeistern. Und die Pommern, das berühmte Museumsschiff in Mariehamn gehört definitiv dazu.

Die Decks im Originalzustand.

Meine Motivation zum Besuch war anfangs eher mäßig und eher dem „kulturellen Pflichtprogramm“ von Zeit zu Zeit geschuldet. Es hat sich aber von vorne bis hinten gelohnt. Die Pommern gehört zu den Flying-P Linern der Hamburger Laeisz Reederei und ist ein Schwesterschiff der Passat und Kruzenshtern, ex Padua. Nach Mariehamn ist sie durch den åländischen Reerder Eriksson gekommen, der als letzter weltweit noch auf Segelschiffe zum kommerziellen Frachttransport setzte. Als die Pommern nicht mehr rentabel betrieben werden konnte, wurde sie der Stadt Mariehamn als Museumsschiff, mit der Bedingung, sie im Originalzustand zu belassen, übergeben. Und gerade das macht ihren Reiz aus. Ich kenne viele Museumsschiffe. Die Passat, HMS Victory und allein auf dieser Reise die Aurora und mittlerweile die Wasa. Abgesehen von der englischen Victory war aber keines so lebendig wie die Pommern. Ich bin auch schon auf mehreren Großseglern eine Zeit lang gefahren, kenne also den Betrieb dieser Schiffe. Umso mehr fasziniert mich, wie dieses Schiff gesegelt wurde. Wie die Mannschaft (gerade mal 24 Mann, das ist nix auf so einem Dampfer) gelebt und gearbeitet hat. Die Pommern ist mit allen Räumen bis hin zum Kielschwein frei zugägänglich. Das kommt der Lebendigkeit und dem Verständnis sehr zugute. Nur in die Toppen wollte man mich irgendwie nicht lassen… 😉

Rigging.

Die Räume der Mannschaft, das Hauptdeck, die Ladedecks, welche heute zahlreiche Vitrinen mit Gegenständen des Schiffsbetriebs beherbergen, all das hat mich sehr beeindruckt. Wer mal auf einem Großsegler mitgefahren ist wird aber verstehen, dass mich eine Tatsache ganz besonders beeindruckt hat. Das Schiff ist von Mariehamn auf die andere Seite der Welt nach Australien oder Chile gefahren. Und das mit gerade einmal 24 Mann Besatzung. Und davon nur 16 Decksleute. Zum Vergleich: Die moderne Dreimastbark Alexander von Humboldt fährt mit ca. 60 Mann Besatzung. Diese 24 Mann mussten dieses riesige Schiff und 4 Masten komplett allein bewältigen. Das macht gerade einmal 6 Mann pro Mast. Was für eine Arbeit das während der Segelmanöver, vor allem beim Brassen (Schiften der Rahen bei Halse und Wende) gewesen sein muss, kann ich mir sehr gut vorstellen. Und das Monate am Stück. Wahnsinn….

Am Ruder.

Es gibt zwar einige Erklärungstafeln und Museumsvitrinen, aber trotzdem sind die meisten Räume so hinterlassen, als ob der Koch oder Bootsmann jeden Moment aus der Mittagspause zurückkommen könnten. Tagsüber weht die Flagge der Ålands am Besan. Und unter der Wasserlinige hört man das Plätschern der Ostsee am stählernen Rumpf. Und gerade das lässt die Pommern so lebendig erscheinen. Es ist kein steril hergerichtetes Etwas, sondern ein echtes maritimes Denkmal.

Auch das angeschlosse Museum, welches sich auf den Ålands und speziell den alten Segelschiffen widmet, ist einen Besuch wert. Auch hier sind die Exponate alles andere als alltäglich.

Ansonsten lasse ich jetzt einfach mal die Bilder für sich sprechen. Und falls es euch jemals nach Mariehamn verschlägt: Lasst euch die Pommern auf keinen Fall entgehen!

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