Schleuserbande

In Norsholm ist schon wieder ausschlafen angesagt. Ob der Entspannungscharakter des Kanals vielleicht damit zusammenhängt? Aber egal, weiter gehts. Nach der Schleuse in Norsholm geht es auf den Roxensee.  Herrlich! Denn erstens habe ich den ganzen See für mich allein, und zum anderen lässt der Wind sogar ein paar Meilen unter Segeln zu. Dabei fällt mir aber auf, dass der Motor mich auf dem Kanal bisher gar nicht so gestört hat wie sonst. Eigenartig. Irgendwas geht hier vor…

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Schon von weitem ist dann nach ein paar Stunden die Schleusentreppe von Berg zu erkennen. 7 Schleusen direkt hintereinander bringen einen knapp 20m höher. Uff, das schaut nach Arbeit aus. Mein Tatendrang wird dann aber von der Schleusenmaus gebremst. Erstmal 3 Stunden warten, ein Passagierschiff will runter. Kurz überlege ich, ob mich ärgern soll, aber wieder macht der Kanal seine Arbeit: „Mir egal, ich will heute nur noch in den oberen Hafen. Ob ich jetzt oben oder unten den Nachmittag rumlunger ist mir doch Wurst.“ Ein Eis am Kiosk – Eis ist glaube ich in Italien für den schwedischen Markt erfunden worden, so wie die Schweden darauf abfahren – ein Rundgang um das Schleusengelände, und mal schauen wie die Profis vom Rentnerfrachter das Schleusen so bewältigen. Ausserdem scheinen die Schleusen den Mittelpunkt eines Parks zu bilden. Überall ist den ganzen Nachmittag Leben. Als ich die 20 Höhenmeter (ohne Boot) wieder herabgestiegen bin, hat hinter mir ein kleines deutsches Motorboot festgemacht. Trotz der Tatsache, dass es sich um Bremer handelt, sind sie eigentlich ganz nett 😉 . 7 Mann und 1 Hund auf 6m Motorboot. Respekt. Erste kühle Getränke und Hamburg-Bremen Nickeligkeiten werden ausgetauscht.

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Irgendwann hat die Schleusenkönigin dann ein Erbarmen mit uns. Da die anderen noch kleiner als ich sind, „darf“ ich heute sogar vorne sitzen. Da in den Göta Schleusen das Wasser von vorne eingelassen wird, erinnert das dann eher an eine Wildwasserbahn. Und da das Schleusengelände hier auch als Touristenattraktion gilt, das ganze auch noch vor großem Publikum! Also raus aus dem Kanal-Entspannungsmodus, Bauch eingezogen und den Blick -Marke „Verwegener Seeheld“ – aufgesetzt. 😀 Zum Glück hatten wir schon ein paar Schleusen zum Proben hinter uns. Alles gelingt. Stockwerk um Stockwerk geht es rauf.  Die Soundanlage übertönt das rauschende Wasser, die Cola ist kühl, Die Schleusenchefbedienerin lobt mich mal wieder, und die Unterhaltung mit der Bremer Schleuserbande wird immer lustiger. Obwohl die Arme nach 7 Kammern direkt hintereinander langsam lang werden ist die Stimmung perfekt als sich das letzte Tor öffnet. Herzlich Willkommen, 7. Etage – Herrenmode und Grillausstattung.

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Der Hafen von Berg hat mehr den Charakter eines Dorfteiches. Auf der einen Seite liegt das Dorf, auf der anderen die Schleusen und an wieder einer anderen Weiden und Äcker. Immer mehr gefällt mir dieser Kontrast zur schwedischen Küste. Der Abend wird mit Grillen und langem Beisammensein mit den Bremern beschlossen. Tags drauf folgt ein Hafentag. Sich einfach mal richtig gehen lassen, das letzte Treiben der Saison in den Schleusen beobachten. Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Außerdem regnet es immer wieder. Und ich habe doch spätestens jetzt Zeit. Also Beine hoch.

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Tags drauf ist dann wieder „go west“ angesagt. Wieder geht es an Äckern, Schafherden, zahlreichen Schleusen und Brücken vorbei. Und so langsam komme ich dahinter, was den Kanal ausmacht. Anfangs habe ich die Passage zwar als Erlebnis, aber dennoch vor allem als Verkehrsweg gesehen. Das tut dem ganzen aber Unrecht. Die Schleusen, die vielen kleinen Brücken über Feldwege, die freundlichen Mädels, das ganze Ambiente wirkt eher wie im Miniaturwunderland oder einem maritimen Erlebnispark. So wie ´ne Bootsfahrt im Heidepark oder so ähnlich. Nur in spannend… Und abgesehen von den paar Passagierfrachtern sind die Segler hier der Hauptverkehr. Das merkt man auch daran, dass schon bei Anfahrt die meisten Brücken oder Schleusen sich öffnen. Oft muss man vor Brücken nicht mal auskuppeln. So will ich auf dem NOK auch mal behandelt werden. 😉

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Irgendwann Mittags komme ich dann in Borensberg an und mache zur Mittagspause erstmal vor dem bekannten Göta Hotel fest. Der Himmel zieht sich zu, und so kehre ich dort einfach mal ein. Ein nettes MIttagessen, mal wieder mit Blick aufs Schiff ,folgt. Als ich das Hotel verlasse, ist der Himmel wieder frei. Eigentlich wollte ich heute ja nur nach Borensberg fahren, aber irgendwie habe ich nach einem kurzen Rundgang schon das Gefühl, alles gesehen zu haben. Laut Schleusenwärter wäre eigentlich noch Zeit weiter zu fahren. Also kurz mal in mich gehen…

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