Oslo – Der letzte Wendepunkt

Oslo. Der letzte Wendepunkt und die letzte Metropole auf meiner Reise. Bei Ankunft hoffe ich also, dass der Besuch hier noch mal etwas ganz Besonderes wird.

Die Stadt macht von Beginn an einen tollen Eindruck. Im Gegensatz zu Stockholm oder Tallinn dominiert zwar keine historische Bebauung. Eher eine Art Bauhaus-Stil. Vor allem das massive berühmte Rathaus sticht da heraus. Trotzdem ist die Stadt wirklich schön. Auf den Straßen herrscht eine geschäftige und doch weniger rummelhaft-touristische Stimmung wie zum Beispiel in Stockholm. Trotzdem ist English eigentlich zweite Amtssprache dort. In Restaurants und Shops wird man oft ungefragt ohne ein Wort von sich zu geben erst mal auf English angesprochen. Selbst Norweger wechseln oft erst nach der englischen Begrüßung ins norwegische. Eine entspannt internationale Atmosphäre ist die Folge. All das lässt Oslo so herrlich unaufgeregt wirken. Ein Stadt für den zweiten Blick. Und das im besten Sinne.

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Die Stadterkundung beginnt gleich mit einem der größten Highlights. Der Skisprungsschanze Holmenkollen. Die liegt fast mitten in der Stadt und wurde zur nordischen Ski WM 2011 neugebaut. Man mag sich jetzt vielleicht fragen warum gerade eine Sportstätte so ein großes Highlight ist, doch das ist schnell erklärt. Die Schanze trohnt am Berg Holmenkollen mitten in der Stadt. Die geschwungene Stahlkonstruktion ist bei Anreise durch den Fjord schon 12NM vor der Stadt genau auszumachen und auch von fast jedem Teil der Stadt kann man den Holmenkollen immer wieder erspähen. Das heisst natürlich im Umkehrschluss: Von dort müsste man einen herrlichen Blick über die Stadt haben. Im angeschlossenen Skimuseum lernt man dann noch, welche Bedeutung der Skisport für die nationale Einigung Norwegens hatte. So versteht man die Faszination der Norweger für dieses „Nationalheiligtum“ noch viel mehr. Und tatsächlich: Der Blick von der Spitze des Sprungturmes ist atemberaubend. Selbst an einem dunstigen Tag bekommt man einen tollen Eindruck vom Stadt- und Fjordgebiet. Auf einen Sprung hab ich allerdings lieber verzichtet. Natürlich nur, weil kein Schnee lag! 😉

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Zurück in der Stadt muss natürlich noch ein wenig Kultur sein. Und was gäbe es da für einen geschichtsversessenen Segler besseres als ein Wikingerschiffmuseum. Dort sind einige ausgegrabene und erhaltene Originalschiffe aus Wikingerzeiten ausgestellt. Wenn man davor steht ist es kaum zu glauben, dass diese Gefährte über 1000 Jahre alt sind. Das lässt natürlich auch für so manchen GFK Schatz hoffen. 😉 Und: Wenn man so vor diesen extrem breiten Konstruktionen steht, kann ich mir schon vorstellen, dass diese Schiffe extrem seetüchtig sein. Was ich mir vorher nie so wirklich erklären konnte…

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Der Tag schließt mit einem Abstecher ins Osloer Nachtleben. Und auch das braucht sich vor der Kapitale von Skandinavien nicht zu verstecken. Ganz im Gegenteil… Am Abend erwacht die Innenstadt fast in ganzer Ausdehnung zu einem zweiten Leben. Überall finden sich feierfreudige Norweger, versteckte Bars und Szenetreffs. So gibt es eine ganz neue Ebene des Stadtbummels, denn das Nachtleben beschränkt sich nicht nur wie so oft auf ein Viertel.

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Tags drauf steht also erst mal ausschlafen an. Und als Gewissensausgleich mache ich mich danach wieder auf zur Museumshalbinsel Bygdøy. Neben dem Wikingerschiffmusuem gibt es nämlich noch gleich 3 andere Schiffsmuseen. Ein letztes Mal gebe ich mir also die volle Dröhnung. Und das hat sich gelohnt, denn alle sind irgendwie Themenbezogen. Das Fram-Museum beherbergt die originalen, übrigens von Colin Archer gezeichneten, Expeditionsschiffe der norwegischen Nationalhelden Roald Amundsen und Fridtjof Nansen. Das Kon-Tiki Museum dementsprechend die Originalflöße von Thor Heyerdahl, mit denen er im Dienste der Wissenschaft Pazifik und Atlantik überquerte. Wahre Schätze für alle Seefahrtsbegeisterten also. Das „generelle“ Schifffahrtsmuseum hingegen bringt einem vor allem die individuelle Bedeutung der Schifffahrt für die Seefahrernation Norwegen bei. 7% der Weltschifffahrt auf 0.1% der Weltvbevölkerung.  So viel über verschiedenste Facetten der Seefahrt hab ich echt an einem Tag noch nie vor den Latz bekommen.  Noch besser an dem Tag ist nur noch das Ende. Der Stadthafen Aker Brygge liegt direkt im gleichnamigen Neubauviertel. So eine Art Osloer Hafencity in fertig. Und genau am anderen Ufer liegt die historische Festung Akershus. Und irgendwie scheint da ein Restaurant zwischen den verschiedenen Mauern zu sitzen. Also mal schauen! Und tatsächlich: Das Festungsrestaurant ist eine echte Entdeckung. Keine miese Museumsspelunke für Touristen sondern bestes Essen auf der Festungsmauer mit Blick über die Osloer Hafengegend und Innenstadt. Und auch die Holmenkollen Schanze liegt natürlich im Blickfeld. Ein guter Wein und ein traumhafter Sonnenuntergang runden einen perfekten Tag ab.

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Übers Wochenende bekomme ich noch mal kurz Besuch. Gut also, dass das kulturelle Pflichtprogramm schon abgearbeitet ist. Danach erkundet sich eine Stadt immer wesentlich entspannter. Wochenende ist wie bereits mal erwähnt Hochsaison in Norwegen. Im Gegensatz zu den Schweden ist dann auch noch im September jede Badewanne draussen auf dem Wasser. Und bei 23 Grad gleich dreimal. Auch in der Innenstadt, vor allem in Wassernähe, ist es voll. In Aker Brygge findet auch noch eine Art Essenfestival, die Matstreif, statt. Perfekt zum mal zu schauen was Norwegen denn so kulinarisch zu bieten hat. Und eine weitere, echt überraschende Erkenntnis hält das Wochenende bereit. Norwegen ist trotz des hohen Preisniveaus echt gut zum shoppen geeignet. Keine EU Mitgliedschaft heisst zwar leider keine unbegrenzten Mengen Dosenbier für die Segler, aber eben auch Tax Refund bei der Heimreise! Wie bei Reisen nach Übersee.. So lässt sich ein warmer Samstag perfekt in klimatisierten Läden verbringen. Trotz des Trubels ist die Stimmung überall friedlich und entspannt. Überall sitzen menschen und tanken noch mal Sonne vorm norwegischen Winter, stehen wie die Schweden in langen Reihen vor den Eisläden, freuen sich einfach am Wochenende. Eine wirklich tolle Stimmung. Ein anlässlich der Matstreif norwegisch inspiriertes Abendessen in einem tollen Seafood-Restaurant komplettiert dann einen perfekten Sommertag. Ein wirklich einmaliges und nur hier mögliches kulinarisches Erlebnis. (Ich muss grad noch mal erwähnen, dass wir Mitte September haben).

 

P1040663Oslo scheint eine extrem lebenswerte Stadt zu sein. Es ist keine touristisch überfrachtete Metropole wie Riga oder Stockholm. Eher eine Perle für Genießer. Und das in Sachen Sightseeing und Kultur, wie auch Shopping und Essen. Und das Meer ist direkt vor der Tür. Es scheint, als ob jeder Osloer mindestens 2,5 Boote sein eigen nennt. Der Oslofjord ist ein perfektes Revier für alle Arten von Wassersport. Hier würde ich es lange aushalten…  Oslo hat einen perfekten letzten Wendepunkt geliefert. Ein weiterer Grund, weswegen ich nur ungern den letzten Heimweg antrete…

 

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