Doch noch Russland!

Mitte letzter Woche bekomme ich einen Anruf. Die Crew der Goedeke Michels, die ich ja in Helsinki kennen gelernt hab, lädt mich ein mit ihnen zusammen auf ihrem Boot nach St. Petersburg ein! Sie kommen dort auf dem Weg ins Weiße Meer vorbei. Superklasse, denn so komme ich doch noch St. Petersburg ohne umständlich mit der Fähre, dem Zug oder sonst was da hin zu fahren. Naja, weniger umständlich ist es im Zweifel nicht, ich muss ja auch noch zurück, aber mit einer Yacht ist es eben doch „echter“. Auch wenn es ein MoBo ist. 😉 Und was für eins! Gerade dadurch gerät die Fahrt auch so spannend, denn es ist eine völlig andere Erfahrung als mit der kleinen Nonsuch. Das Fahrgefühl und die Navigation ähneln eher der Großschifffahrt. Gut, um Verständnis für die „andere Seite“ zu gewinnnen, auch wenn es eigentlich eine Motoryacht mit „nur“ 29t ist.

Erster Stop auf dem Weg nach Russland in Sunisalmi

Erster Stop auf dem Weg nach Russland in Sunisalmi

Zunächst geht es also mit dem Zug  wieder zurück von Tammisaari nach Helsinki, wo wir uns am Freitag abends treffen. Schon beim ersten Besuch auf diesem Schiff war ich ja von der schieren Größe überrascht, aber jetzt fühle ich mich fast wie in einem Hotel untergebracht. Das was fehlt ist eine weiße Traumschiff-Uniform für Kurt, den Skipper. 😉 Nach kurzer Verproviantierung geht es dann am Samstag auf Richtung Osten. Der Wind weht stark und immer wieder ziehen Schauer durch. Ich denke kurz an meinen eigentlichen Plan, diese Strecke mit der Nonsuch zurückzulegen, und freue mich, dass ich nun hier auf diese Art reisen kann. Auf der wettergeschützen Brücke ist das Fahren eine ganz entspannte Sache. Komisch, sobald man auf der „anderen Seite“ hinterm Ruder steht hat man auch keine große Lust, den Seglerkameraden auszuweichen. Erinnert mich ein wenig an die Geschichte mit Rad- und Autofahrern… 😉

Abends legen wir in Sunisalmi an. Wir heisst in diesem Fall ich. Kurt überlässt mir das Steuer, was ich als großen Vertrauensbeweis empfinde. Habe mich sehr darüber gefreut. Vorher mussten wir noch einmal eben schnell direkt vorm Hafen not-aufstoppen, da der Kapitän der Kabelfähre sich auf einmal 50m vor uns in den Sinn gesetzt hat vor uns zu queren. Vorfahrt und so?!?! Vollidiot… Aber bei einigen gut gekühlten Getränken verfliegt der Ärger schnell wieder.

Sunisalmi.

Sunisalmi.

Am Sonntag geht es dann bei besserem Wetter weiter in Richtung Haapasaari  zwischen den Schären hindurch. Schon komisch, so wahnsinnig schön die Landschaft hier auch ist, nach einigen Tagen verliert man den Blick und auch ein wenig von der Begeisterung  weil diese Schönheit einfach normal geworden ist. So kann ich aber den Vorteil der Generation Digital Natives ausspielen und Kurt ein wenig in seine eigene Bordelektrik einweisen.  😉 Wir optimieren so dies und das. Ich freue mich, dass meine Mitfahrt so auch für meine Gastgeber einen Vorteil hat. Währenddessen versorgt uns Kurts Standesamtszugewiesene, die ihre Rolle an Bord übrigens selbst am liebsten als „Kaltmamsell“ beschreibt, mit einem herrlichen Lachssashimi. So ein Luxus als Bordverpflegung bei schönstem Wetter und Kurs Russland…. Die Stimmung könnte nicht besser sein. Am frühen Abend gelangen wir nach Haapasaari. Die Insel ist einer der letzten Außenposten der EU. Abgesehen von dem kleinen Zollstützpunkt herrschen hier Stille und Idylle. Obwohl hier ein kleiner Stützpunkt der Offiziellen angesiedelt ist, müssen diese erst per Boot aus dem nahegelegenen Santio herkommen. Die Ausklarierung erfolgt schnell und unkompliziert. Nach einem kleinen Abendessen und Inselerkundung hauen wir uns noch für einige Stunden aufs Ohr, bevor wir gegen 2300 ablegen. Früher ging nicht, da Kurts Visum erst ab dem 09.06 gültig ist. Erst um 2230 fällt uns aber auf, dass wir schon eine Stunde hätten unterwegs sein können, St. Petersburg liegt ja in einer anderen Zeitzone….

Die Fahrt für die 110NM nach St. Petersburg beginnt ruhig. Kurt uns ich genießen die Nachtfahrt , die eigentlich gar keine ist, da es nie so dunkel wird, dass man ohne Licht nicht mehr lesen könnte, und quatschen so über dies und das. Kurz nach dem Überschreiten der Grenze meldet sich die Revierzentrale bei uns, und geleitet uns mit der selben Aufmerksamkeit wie für alle großen Schiffe bis nach Kronshtadt, der St. Petersburg vorgelagerten Insel. Naja, die Goedeke Michels ist halt doch etwas größer. Diese Nachtfahrt gefällt mir, so ein großes MoBo hat echt auch Vorteile: Als es uns gegen 3 Uhr etwas zu kühl wird, ziehen wir uns einfach an den Innensteuerstand zurück. Ein Gefühl wie bei den Profis. Ich genieße diese Erfahrungen sehr, aber trotzdem fehlt mir manchmal das Geräusch des vorbeiziehenden Wassers, im wesentlich näher am Wasser gelegenen Cockpit der Nonsuch.

Nachtfahrt. Mal ganz entspannt und warm.

Nachtfahrt. Mal ganz entspannt und warm.

Nach einer entspannten Fahrt kommen morgens dann die ersten auf Reede liegenden Schiffe und die Festung Kronshtadt in Sicht. Ich freue mich, doch noch nach Russland gekommen zu sein. Ob die Erfahrungen mit Immigration und Zoll in Kronshtadt wohl so positiv werden wie die in Kaliningrad, ober ob hier die in den Erzählungen oft beschriebenen „Presentij“ angefragt werden? Wir sind gespannt und etwas aufgeregt….

 

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Ein Gedanke zu “Doch noch Russland!

  1. Hi Max, eine solche Reise ohne die Weißen Nächte von Sankt Petersburg – undenkbar! Nun hast Du es also doch noch geschafft. поздравля́ю! Gruß Detlev

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