Sommer vermisst! Hohe Belohnung!

Vielleicht soll ich Motala gar nicht verlassen? Heute jedenfalls dann der zweite Versuch über den Vättern. Dieses Mal bei Windstille. Bereits am Morgen ziehen einige gewaltige Schauer vorbei. Mich lassen sie aber zum Glück in Ruhe und ich kann ungestört nach Karlsborg tuckern. Dort muss man angeblich umbedingt die Festung gesehen haben, also raus mit dem Rentner-Bike und los.

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Die Festung ist ganz nett anzuschauen und mal was anderes. Es ist nämlich keine mittelalterliche Hinterlassenschaft, sondern eine auch heute noch genutzte Kaserne aus dem 19. Jhd. Die ganze Anlage sollte im Falle einer Invasion Schwedens als Ersatzregierungssitz fungieren. Das ist nach Monaten voller Burgen und was weiss ich nicht tatsächlich mal was anderes.

Zurück am Hafen trefffe auf ein norwegisches Schiff, dass mir schon vor einigen Wochen mal an der Höga Kusten aufgefallen ist. Es ist tatsächlich dasselbe, und so ist ein Gesprächsthema gleich gefunden. Jøran und Gro sind ebenfalls auf Rund Ostsee Tour. Für sie ist es allerdings bei Höga Kusten geblieben, denn selbst mit ihrem 37ft Schiff hatten sie keine Lust mehr auf den Weg nach Haparanda. Jetzt wollen sie noch so viel Zeit wie möglich in Schweden verbringen, bevor es heim nach Oslo geht. Warum also eigentlich nicht noch Oslo mitnehmen…?

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Aus solchen Plänen werde ich ganz schnell wieder in die Realität zurückgebracht. Wir beschliessen, noch gemeinsam nach Forsvik zu fahren, da der dortige Liegeplatz etwas idyllischer sein soll. Viele Tage bleiben nicht mehr um den Kanal im eigenen Tempo zu genießen bevor er am 19 August in den Herbstbetrieb geht. Praktisch also so halb geschlossen ist. Und da wollen die wenigen verbliebenen Tage gut genutzt werden. Die Strecke dorthin ist nur 4SM lang, aber auch die können ganz schön lang werden. Auf dem Weg nach Forsvik passiert es dann nämlich: Der Sommer ist mit einem Schlag vorbei. Unbemerkt zieht über die Berge ein bestialistes Gewitter heran, das uns mit voller Wucht erwischt. So einen Platzregen habe ich mein Leben noch nicht erlebt. Und dazu noch Hagel. Hagel Mitte August, bin ich hier im falschen Film oder was? Der Regen lässt bis in die Abendstunden kein Stück nach. Und so komme ich dann auch in den Genuss einer Tätigkeit, die ich seit den Zeiten auf den Jugendbooten der SVC fast schon vergessen hatte: Seekarten trocken föhnen. Die Temperaturen sind  um gute 10 Grad seit dem Nachmittag gefallen. Noch machen wir Witze darüber….

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Als erste Amtshandlung am nächsten Tag steht die letzte Bergauf Schleuse an. Die ist zugleich dann auch die älteste im Kanal, und hat keine gemauerten Wände. Man fühlt sich eher wie in einer Grotte, was dann beim mir beim Einfahren auch zu einigen Schweißperlen führt. Der ein oder andere Fels hat einfach mal beschlossen einfach mitten in der Schleusenwand zu sitzen. Bergauf sieht man das ganze ja wenigstens noch, doch wer hier bergab schleust, kann eine böse Überraschung erleben. Pünktlich zum Verlassen der Schleuse setzt dann der Regen ein. Es ist 0915. 12 Stunden Dauerregen bei 10-12 Grad sollen folgen. Die Fahrt durch den Vikensee wird dann auch eher anstrengend. Eigentlich soll der einer der schönsten Teile des Kanals sein – ich wollte hier Ankern. Heute aber, ill ich nur noch in einen Hafen mit Stromanschluss kommen… Nach der ersten Bergabschleuse geht es noch einige Kilometer durch eine urwaldartige Landschaft nach Vassbacken. Dort verkrieche ich mich dann unter Deck. Die Stimmung ist mies. Woran es genau liegt kann ich gar nicht sagen: Der Abschied von meinen schwedischen Freunden in Motala? Das baldige Ende des Kanals? Das Ende des Sommers? Oder vielleicht sogar das langsam nahende Ende meiner Reise? Auf jeden Fall wohl irgendein Ende, und die mag ich gar nicht…

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Am folgenden Tag sind die Schauer wenigstens zeitweise mal von der Sonne unterbrochen. Was allerdings nur heute so sein soll. Ich bringe also den gesamten Rest des Kanals, und damit bis auf Tåtorp alle Bergabschleusen, an einem Tag hinter mich. Was soll ich den letzten Tag der Sommeröffnungszeiten im Regen da durch tuckern, da macht das Schauen ja eh keinen Spaß… Bergab ist entgegen dem verbreiteten Glauben schwieriger zu bewerkstelligen. Zumindest alleine. Den hier helfen die Schleusenmäuse meistens nicht. Ich muss selbst übersteigen und die Leinen durch die Ringe legen. Das führt vereinzelt zu lustig-akrobatischen Szenen, denn das Schiff bewegt sich ja meistens weiter. Es geht vorbei an den kleinen Ortschaften Töreboda und Norrkvarn, wo ich eine Mittagspause einlege um mir das Miniaturmodell des Kanals dort anzuschauen. Irgendwie ist das schon so halb im Winterschlaf, und Betrieb ist hier auf einer kleinen Ferienanlage auch nicht mehr. Püntklich zum Landgang fängt es auch wieder zu regnen an. Die ganze Stimmung ist wirklich deprimierend. Auch wenn ich den Grund dieser Tage irgendwie verstehe, das Ende der schwedischen Sommerferien, mit dem hier wirklich jegliche Aktivität eingestellt wird, ist mir irgendwie suspekt. Auf einmal ist alles verlassen. Dieser Tage wird das besonders deutlich.

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In der nächsten Schleusentreppe warten bereits zwei andere Boote. Aber keine Wärterin in Sicht. Da eh nix mehr los ist bedient sie gleich mehrere Schleusen und ist gerade ein paar Kilometer weiter mit einem Passagierschiff beschäftigt. Ich könnte natürlich selbst, Johan hat mir ja gezeigt wie….. Aber ne, das gibt bestimmt Stress… 😉 Stattdessen freunde ich mich mit einem dänischen Paar aus Svendborg an. Das liegt ja direkt um die Ecke von der Schlei… Wir bringen die letzten Schleusen gemeinsam hinter uns und verbringen den gemeinsam Abend in Sjötorp. Der Ort macht einen völlig verlassenen Eindruck. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass der Sommer zuende ist. Wir liegen im Werftbecken. Von hier sind es noch Luftlinie 500m bis zum Ende des Kanals. Und so ist nicht nur der Sommer, sondern bald auch der wunderschöne Göta Kanal zu Ende…

 

 

 

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