ROUND BRITAIN: Ein neues Abenteuer

Im Frühling 2012 ging mein erster Törn der Saison ebenfalls nach Helgoland. Mit von der Partie war mein Vater. Die Nonsuch war zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange in meinem Besitz und im hinter uns liegenden Winter in mühevoller Kleinarbeit von mir aufgearbeitet und an meine Wünsche angepasst. Trotzdem, kein Vergleich zu ihrem Zustand heute. Auf Helgoland unternahmen wir so die üblichen kleinen Landausflüge, bis wir, genau wie vor wenigen Wochen, auf dem Oberland standen und raus auf die Nordsee blickten.

„Ein traumhafter Sonnenuntergang“, meinte mein Papa während er an seiner Kamera rumnestelte. Von ihm hab ich nämlich die Fotografiersucht übernommen.
„Schon witzig wenn man sich vorstellt, dass da so 600km erst einmal gar nichts hinter dem Horizont kommt, und dann gleich England. Wär ja auch eigentlich mal ein Ziel mit meinem neuen kleinen Schiffchen, oder?“, witzelte ich nur halb ernst gemeint rum. Die Nonsuch ist ein Kielschwerter, nur knapp unter 8 Meter lang und der Respekt vor dem Nordatlantik, den britischen Gezeiten und der Nordsee, dem „Blanken Hans“ wie es hier oben heißt, den ich als Cuxhavener Eingeborener von kleinauf gelernt habe, vielleicht doch etwas zu groß. Trotzdem, jeder kennt das Gefühl wenn man auf seinem, am besten neuen, Schiff steht und denkt die ganze Welt steht einem offen.
„Scherzkeks. Fahr doch erst mal nach Schweden oder so und schau wie der Kahn sich schlägt“, kam es von meinem Papa. Und Recht hatte er.
„Hehe hast ja Recht, war ja auch nur so ein Hirngespinst, aber man darf ja noch träumen“, entgegnete ich nur. Einige Lacher und Frotzeleien folgten noch, und wir genossen den Sonnenuntergang und liefen den Weg zurück zum Hafen.

Und genau an diese Unterhaltung musste ich vor wenigen Wochen, fünf Jahre später, bei meinem Besuch auf Helgoland denken. Ich würde wohl im Sommer durch diverse Umstände ein paar Monate Zeit haben. Sofern die Kohle reichen würde stand für mich von Anfang an fest, dass es Zeit zum Segeln sein musste. 2014 war ich mit der Nonsuch ein halbes Jahr auf der Ostsee unterwegs. Die zahllosen Begegnungen und Erlebnisse prägen mich bis heute und der Gedanke an diese Reise lässt mich immer sofort lächeln und in Erinnerungen schwelgen. Ich habe so ziemlich alles dort im Osten erkundet, bin bis hoch zum Polarkreis nach Haparanda gefahren und habe mich aber auch mit Müdigkeit auf Nachtfahrten, Nebel, viel Wind und so einigen anderen kleinen Problemchen arrangiert. Es ist wohl nicht falsch zu sagen, dass ich mich nicht nur rumgetrieben habe, sondern an dieser Reise auch gewachsen bin. Vor allem aber machen solche Reisen absolut süchtig. Und nun könnte wieder genug Zeit für eine sein. Nur wo sollte es hingehen? So überlegte ich lange hin und her, wog verschiedene Optionen ab. Bis es dann vor wenigen Wochen nach Helgoland ging.

Spätestens als ich an das Gespräch mit Papa dachte stand für mich fest: Wenn es nur irgendwie möglich sein sollte, muss es nach England gehen! Ich fühle mich deutlich erfahrener als noch vor fünf Jahren, das Schiff wurde in den letzten Jahren konstant renoviert und aufgerüstet und befindet sich in einem Top-Zustand. Mittlerweile traue ich ihm die Route in meinem Kopf ohne lange nachzudenken zu. Zumindest wenn es mal wieder richtig Sommer wird. 😉 Mal grob im Kopf überschlagen – „Könnte zeitlich und vom Weg her passen!“ – Und auf dem Weg zurück zum Schiff liefen in meinem Kopf schon Bilder von grünen britischen Hügeln, rustikalen Fischerhäfen, edlen südenglischen Marinas und den weißen Felsen von Dover ab. Rund England sollte es sein.

Und obwohl ich im Moment schon beruflich einen rauchenden Kopf habe, bin ich seit einiger Zeit dabei Karten, Führer und Ausrüsterkataloge zu studieren. Es geht nach Großbritannien. So viel Zeit wie vor drei Jahren werde ich leider nicht haben, aber egal, Hauptsache raus auf See. Zugegeben, das größte Schiff  ist die Nonsuch immer noch nicht, und sollte das Wetter so aussehen, dass es pausenlos nur auf die Nase gibt, dann fahre ich ob der begrenzten Zeit lieber woanders hin als nur auf Helgoland zu sitzen und auf bessere Bedingungen zu hoffen, aber Träume sind ja auch da um sie zu leben. Und meiner soll jetzt eben Rund England sein. Auch wenn der Wind vielleicht mich am Ende in eine völlig andere Richtung wehen sollte. 🙂

Bis es dann in wenigen Wochen losgehen kann muss noch mal richtig geackert werden und auch am Boot sind noch einige Anpassungen wieder nötig. So richtig glauben kann ich es auch noch nicht, dass ich noch einmal Zeit für eine große Segelreise haben soll, aber welche Vorwürfe könnte man sich in einigen Jahren machen wenn man so eine Gelegenheit nicht beim Schopfe greift! Dass die Zeit der Vorbereitung so kurz ist, ist mir egal, so hat man wenigstens keine Zeit um ins Grübeln zu kommen. Rund England ich komme! Wenn alles glatt läuft geht es am 1. Juli los!

Über diese Reise werde ich hier in gewohnter Manier so aktuell und ausführlich wie möglich berichten. Würde mich freuen wenn ihr mich wieder einmal  auf meinen Reisen mit Nonsuch begleitet. (Die würde sich übrigens auch freuen hat sie mir letztes Wochenende erzählt 😉 )

 

 

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8 Gedanken zu “ROUND BRITAIN: Ein neues Abenteuer

  1. Da bin ich mal sehr gespannt. Mir fehlen noch 2-3 Jahre, um diesen Plan Round GB endlich selbst umzusetzen und ob es dann klappt weiß ich sowenig wie Du. Aber die Daumen werde ich Dir drücken und Dir auf Deiner Reise, wohin auch immer sie letzten Endes geht, sicher folgen.

  2. Hi Klaus,
    na dann wünsch ich dir mal auch, dass alles so klappt wie du dir das vorstellst! Vielleicht kannst du ja schon ein paar Anregungen für deine Reise mitnehmen.. Freue mich, dass du mit „an Bord“ bist! 🙂
    Max

  3. Hey Max
    kann gar keine Reiseplanung entdecken.
    Du hast aber vermutlich alles im Kopf und willst uns nur nicht dran teilhaben lassen.
    Dennoch GOOD LUCK !

    RAINER
    zusammen mit Gert auf SY Swantje
    z.Zt. Schottland
    www. sailing-rainer.eu

    • Moin Moin!
      Das ist richtig, allerdings nicht aus böser Absicht: Eine grobe Planung habe ich im Kopf. An die Feinplanung werde ich mich aber erst machen wenn ich wirklich in Britannien angekommen bin. Bin ja noch ne Ecke kleiner als du, da fänd ich es vermessen genau zu planen bevor ich weiß was Wind und Wetter mit mir vorhaben. Und sollte es wochenlang nur W6 pusten überleg ich mir vielleicht eh noch was Anderes 🙂
      Fair winds und bis bald!

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