Failté go Eíre – Willkommen in Irland

Nach über einer Woche in Caernarfon sollte sich nun endlich mal eine Wetterbesserung einstellen. Zeit zum Aufbruch. Ich bin richtiggehend froh weiterziehen zu können. Als Stimmungsausgleich dafür ist zunächst mal wieder überhaupt kein Wind. Normalerweise meckert man ja, dass entweder zu viel oder wenig Wind ist. Hier ist entweder zu viel oder gleich gar keiner… Irgendwie wird dieser Sommer immer merkwürdiger.

Während mich die Menai Strait ja noch an die Schlei erinnerte, denke ich bei den Dünen an der Caernarfon Bar, dem Westausgang des Seeweges eher an die Dünen der Nordsee. Ganz falsch ist der Gedanke auch nicht, denn die Barre hat einiges mit den Seegatten der ostfriesischen Inseln gemeinsam. Auch hier ist das ganze schon bei 4-5 Windstärken oft unpassierbar. Heute aber ist es ruhig. Ich lege Kurs auf Irland und warte auf den aufziehenden Wind.
Je weiter ich das Land hinter mir lasse, desto komischer wird das Wetter. Es ist nicht richtig schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Die walisischen Berge verschwinden langsam hinter mir und ich mache mich schon mal mit den Karten für Irland vertraut. So vergeht die Überfahrt trotz der über 70 sm schneller als gedacht. Wenn man allein unterwegs ist, hat man irgendwie immer etwas zu tun. Ausguck, Logbuch, Ansteuerung vorbereiten und in die Luft gucken. Selbst zum Lesen komme ich irgendwie kaum.
Dafür beobachte ich das Wasser, und bekomme mal wieder einen Eindruck davon wie schräg die Irische See sein kann. Mitten zwischen Irland und Wales, 30 sm nichts als Wasser in jeder Richtung bilden sich plötzlich überall kleine Stromwirbel. An Kaps und nahe unter Land rechnet man ja damit, aber hier finde ich das irgendwie verwunderlich…

Gegen Abend kommt dann endlich Irland in Sicht. Willkommen in Irland – Fáilte go Eiré. Auf dieses Land habe ich mich ganz besonders gefreut. Ich habe dort mal ein Jahr gewohnt, freue mich also auf Land, Leute, einige alte Freunde und das beste Bier der Welt. Mein erster Hafen, Greystones, ist aber irgendwie nicht so das Gelbe vom Ei. Man möchte dort eine 5* Top Marina bauen. Leider ist das ganze irgendwie noch im Aufbau, kostet aber trotzdem schon den vollen Preis. Dafür lärmen rund um den Hafen die Baumaschinen. Also nach einer nur wenig erholsamen Nacht gleich weiter.

Entlang der irischen Ostküste setzt der Strom ziemlich hart. Um die 3 kn kommen da sicher zusammen. Da stört es mich kaum, dass ich in Richtung Süden kreuzen muss. Mit Strom komme ich auf einen olympiaverdächtigen Wendewinkel mit meiner dicken alten Seekuh und es geht fix voran. Schon am frühen Nachmittag erreiche ich den nächsten Hafen, den alten Seefahrerort Arklow.
Die meisten Gäste machen hier an den langen im Fluß liegenden Stegen fest die zur Marina gehören. Ich schaue mich aber zunächst mal ein wenig um und entdecke einen Schwimmsteg im Fischereibecken. Das wäre doch noch viel uriger! So sehr ich den Komfort einer Marina von Zeit zu Zeit schätze, sind sie in Sachen Flair einem echten Fischereihafen doch immer unterlegen. Kurze Rücksprache mit 2 Fischern: Na klar kann ich hier bleiben, Gäste sind hier immer willkommen. Irland wie es leibt und lebt…


Wann genau hier mit der Fischerei und Schifffahrt begonnen wurde ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich geht der Ort aber schon auf einen Wikingerstützpunkt aus grauer Vorzeit zurück. Der Ort atmet viel Schifffahrtsgeschichte und an jeder Ecke lassen sich einige Spuren aus verschiedenen Epochen entdecken. Trotzdem wirkt alles ein wenig verschlafen und so herrlich irisch unaufgeräumt. Nichts ist für die Touristen, die Arklow meist auf ihren Wegen Richtung Berge oder Westen auslassen zurechtgemacht. Das ermöglicht einen besonders lebendigen Eindruck des Lebens in diesem kleinen Ort. Frachtschifffahrt und Werften gibt es hier nicht so viel wie einst. Fischerei, eine eigene Reederei und die Versorger des nahen Windparks halten die Fahne trotzdem weiter hoch. Von dem Rest erzählt das liebevoll eingerichtete kleine Maritime Museum. Die sind für Segler ja immer so eine Sache: Auf der einen Seite interessieren wir uns naturgemäß für das Meer und seine Geschichten, auf der anderen Seite hält fast jedes Kaff so eine Bude bereit. Da muss ein Museum schon wirklich etwas Besonderes bieten, damit man sich später dran erinnert. Das Museum von Arklow geht fast in der Front eines Einkaufszentrums unter. Kaum hat man es aber betreten, kommt sofort ein fröhlicher älterer Herr auf mich zu und fängt an alles über die Schifffahrt im Ort zu erzählen. Dabei hat jedes einzelne Exponat tatsächlich eine Verbindung zu Arklow. Das macht die Geschichten die hier erzählt werden irgendwie besonders greifbar, und das Museum echt sehenswert.

Nach so viel Kultur mache ich mich aber auf den Weg in den Ort. Bunte Häuserfronten und viele Pubs machen die Auswahl nicht leicht, doch irgendwann entdecke ich die beiden Fischer, die ich schon im Hafen getroffen habe, vor einem beim Rauchen wieder. Also rein da und ein Smithwicks Red Ale bestellt, das vielleicht beste Bier der Welt. Jetzt bin ich so richtig angekommen in Irland

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