Von Mouth zu Mouth – Englands Süden

Eigentlich hätte ich es noch lange auf den Isles of Scilly ausgehalten, doch das nächste Highlight wartet schon auf mich. Im Hafen von Falmouth wird mein Papa für einige Tage zusteigen um mich ein Stück des Weges zu begleiten.  Ich freue mich über die Abwechslung und Begleitung, denn im Gegensatz zu meiner vorherigen Reise auf der Ostsee ist hier nicht nur das Klima rauer, sondern man trifft auch deutlich weniger andere Segler. So freue ich mich über den Besuch ganz besonders und der Abschied von den Inseln fällt mir nicht schwer.

Vorbei an Lizard Point, einem der bekanntesten englischen Kaps mit seinem riesigen Leuchtturmkomplex geht es noch bei feinem Sommerwetter. Darauf hatte ich mich nach den anstrengenden Passagen in der Irischen See sehr gefreut. Meine Hoffnung war, dass das Wetter an der Südküste Englands, der „Englischen Riviera“ endlich mal stabiler sein sollte. Diese Hoffnung hielt dann genau bis Falmouth. Papa und ich mussten unsere gemeinsamen Tage gleich mit einem Hafentag mit Dauerregen und heulendem Wind einläuten. Begleitung und Bier trösten mich ein wenig darüber hinweg, denn so langsam geht mir das ständige Mistwetter ziemlich auf den S***. Vor kurzem wurde mir schon verordnet nur noch zwei mal täglich, morgens uns abends, auf den Wetterbericht zu schauen, um sich wenigstens nicht mehr den ganzen Tag über zu ärgern. Mittlerweile reicht nicht mehr das mehr. Dauernd nur Regen, Meistens Wind über 20 kn oder keine passenden Tiden. Das Revier ist wirklich anstrengend, und manchmal frage ich mich so ungefährt schon, ob ich es überhaupt bis Weihnachten nach Hause schaffe.

Trotzdem genießen wir Falmouth. Die alte Hafenstadt in Cornwall hat ihr ursprüngliches Stadtbild bewahrt: Es gibt keine Hafenpromenade, sondern zum Wasser kommt man nur über die zahlreichen Hinterhöfe der alten Fischerhäuser. Am Anfang nervt es noch etwas nicht am Wasser entlanggehen zu können, doch mehr und mehr genieße ich dieses besonders authentische Stadtbild. Pubs und Wirtschaften gibts genug, und so kann ich von den letzten Monaten erzählen, während der Wind durch die Ritzen pfeift.

Zwei Tage später findet sich dann endlich mal ein kleines Wetterfenster um sich auf nach Dartmouth zu machen. Wie der Name schon sagt liegt das kleine Städtchen an der Mündung des River Dart und ist ein Hotspot für englische Touristen. Schon die Einfahrt durch bewaldete Hügel zeigt sofort wieso: Es ist einfach echt schön hier. Das Panorama sieht aus wie von einem Rosamunde-Pilcher-Werbeplakat. Wir legen in der Dart Marina an, die zu einem Wellnesshotel gehört. Zeigt sich zum Glück nicht nur an den Preisen, sondern auch daran, dass es nicht nur Duschen, sondern ganze seperate Badezimmer auf 5* Standard für den Hafen gibt. So gerne ich abgeschiedene Plätze in der Natur mag, auf einer so langen und anstrengenden Reise schätze ich diesen kleinen Luxus hin und wieder ganz besonders…

Auch hier müssen wir des Wetters wegen einige Zeit bleiben. Nicht das wir uns falsch verstehen: Es ist wirklich schön hier. Ich könnte es ohne Probleme ne ganze Woche aushalten. Trotzdem bin ich unruhig. Dieses ständige Schema einen Tag fahren zu können um dann mehrere Tage im Hafen auf das nächste Wetterfenster warten zu müssen, lässt mich mehr und mehr über den Zeitplan grübeln. Wenn man im Kopf die ganze Zeit aber nur am grübeln und planen ist,leidet leider auch die Freude an den Schönheiten Dartmouths…

Trotzdem machen wir das beste draus und schlendern in den Regenpausen durch den alten englischen Ort. So richtig wie man sich das vorstellt: windschiefe viktorianische Gebäude, konfuse mittelalterliche Straßenverläufe und schrullige Geschäfte. Der Ort strahlt eine unglaubliche Gemütlichkeit aus, und so beruhige ich mich erstmal wieder. Ein Bier in einem der ältestens Pubs Englands (über 700 Jahre) tut sein übriges… So lernen wir dann Paul kennen. Paul war mal Hafenmeister in unserer Marina. Heute verdient er sein Geld mit Marinemalerei und Schiffzeichnungen. Eigentlich habe ich für Kunst so gar nix übrig, aber diese einmalige Mischung aus Maritimem und Malerei ist wirklich toll. Stundenlang quatschen wir und Paul zeigt seine Schätze her. Marketing beherrscht er übrigens auch: Im ganzen Ort verstreut sind seine Zeichnungen zu finden. Der ganze Ort scheint seine Leinwand zu sein, und auch mir kann er am Ende ein kleines Kunstwerk aufschwatzen. 😉 Wer mal ein Bild seines Schiffes haben möchte, sollte unbedingt mal bei Paul Barclay Designs vorbeischauen. Der Junge hat´s richtig drauf…

Obwohl das Wetter nicht wirklich nach Spätsommer aussieht, ziehen wir dann irgendwann weiter Richtung Osten. Von den letzten Tagen steht noch eine beeindruckende Restsee, genau von hinten. Nonsuch macht ihre Sache trotzdem hervorragend. Mit Bullenstandern und Windpilot hält sie sich perfekt auf Kurs und lässt sich auch von den langen Rollern nicht aus der Ruhe bringen. Auch mich beruhigt ihr souveränes Auftreten zusehends. ungeachtete dessen, dass der Horizont ob der riesigen Wellenberge nur selten zu sehen ist. Zügig geht es so in Begleitung von über 15 Delfinen über die Lyme Bay. Gegen Nachmittag wird die See aber immer unruhiger. Eigentlich dachten wir, das meiste wäre bereits geschafft. Doch nun kommt Das Portland Race.  Obwohl wir 6sm südlich des berüchtigen Bill of Portland stehen und genau zur Stromkenterung dort sind, bilden die Ströme und die alte Dünung eine ekelhaft konfuse See. Alles knallt hin und her, das ganze Boot fährt Fahrstuhl. Alle 10 Minuten kommt eine Welle bei der man denkt, dass spätestens jetzt der Dampfer aber nun wirklich auseinanderbrechen muss. Doch Nonsuch lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen. Mit einem 10sm Umweg um das Kap kommen wir erst im Dunkeln im nächsten „mouth“ an. Der Olympiasegelstadt Weymouth. Völlig fertig von dem anstrengenden Abend finden wir uns im Dunkeln zureicht.  Wir finden einen Liegeplaz direkt vor einer Filiale unserer Falmouther Lieblingspizzeria The Stable, und probieren uns nach einem kurzen Rundgang durch den Hafen durch die verschiedenen Cidersorten. Gekrönt von der vielleicht englischsten Pizza der Welt: Lammhack gewürzt mit Minzsauce. Fühle mich kulinarisch ungefähr so wie Asterix in Asterix bei den Briten. 😀
Puh. Die englische Südküste ist schön, hat es aber echt in sich….

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